Danke!

 

Ich danke allen, die mir diese schöne Ausstellung ermöglicht haben:

Präsidentin Trude Kohlberger und Walter Müller.

Liisa Bleckmann, die meine Arbeiten sehr schätzt und den Kontakt hergestellt hat.

Engelbert, Walter, Hans, Herbert, Max, Michael, Erika und Brigitte, die mir fleißig beim Hängen der Objekte halfen.

 

Und vor allem danke ich Walter Müller für diesen wunderbaren Text, den er über mich und meine Arbeiten geschrieben und gelesen hat.

 

 

Walter Müller, Laudatio zur Ausstellung im Hospiz in Morzg, 22.11.2008

 

Herzlich Willkommen im Namen des Vereins der Freunde des Helga-Treichl-Hospizes bei unserer bereits 13. Veranstaltung „Leben und  Kunst im Hospiz“.

 

Sie haben es ja bemerkt, beim Betreten des Hauses, beim Gang über die Treppen hier herauf: das Helga-Treichl-Hospiz ist verwandelt, verzaubert irgendwie; was Geheimnisvolles hat sich eingenistet, an den Wänden, von Decken schwebend, in den Foyers, in Stiegenhaus. Zarte, verklärte, wunderschöne Göttinnen haben sich eingefunden, Torsi mit einem Federnherz oder einem Säulenherz in der Brust, kokonartige Übergangskörper, in Auflösung oder in Verdichtung begriffen, Metamorphosen vom einen ins andere. Muschelnester, Sisal-Schnecken, Flugfische, Feuervögel, voller Zauber und Poesie. Manche dieser Wesen schaukeln sanft im Luftstrom und geben dem Haus eine tiefe Ruhe, manche Bilder wirbeln einem fröhlich, ausgelassen entgegen und bringen Leben ins Leben - Leben, Kraft, heitere Glücksgefühle.

 

Ansuela Braunschmid-Becker heißt die Meisterin, die hier am Werk war. Dass dies ihre erste große Einzelausstellung ist, wird eines der Geheimnisse der Kunstgeschichte bleiben. Etliche ihrer Objekte und Bilder haben für uns erstmals das Haus, die Werk- und Depoträume an der Uferstraße verlassen, sind ausgeflogen in die Öffentlichkeit. Zu Ihnen. Gott sei Dank. 

 

Dass wir im Hospiz die Ersten sind, hat mit einer Freundschaft zu tun, der Freundschaft zwischen Ansuela Braunschmid-Becker und Liisa Bleckmann, die das gleiche Haus in Aigen bewohnen. Liisa Bleckmann, sie arbeitet hauptamtlich hier im Hospiz, hat uns auf Ansuela und ihr Werk aufmerksam gemacht.  Schwester Liisa (ein kleiner privater Satz sei mir erlaubt) war vor neun Jahren, damals im Diakonissenkrankenhaus, eine unserer Begleiterinnen, sie war die behutsame, unendlich beruhigende Schwester der letzten Nacht im Leben meiner Mutter. Seit etlichen Jahren ist sie hier, und jetzt hat sie uns mit Ansuela zusammengebracht.

 

Vor ein paar Wochen haben unsere Präsidentin Trude Kohlberger und ich Ansuela Braunschmid-Becker besucht – und sind in eine faszinierende Welt geraten, ein Haus voller Fundstücke, Kunstwerke, Kisten, Schachteln voller Gräser und Blätter, Steine und Muscheln, gesammelt auf vielen Reisen, Wandbehänge, eigenwillige Schmuckstücke, Filzkappen zuhauf und in allen Variationen, Lampenschirme aus Pergaminpapier, alles selbst gesammelt und angefertigt. Fertiges, Halbfertiges, Natur, die in Kunst übergeht, Kunst, die sich in getrockneten Blättern verästelt, in Sisal und Flachs windet, in Seide einspinnt.

 

Eine Wunderkammer, ein ganzes Haus als Wunderkammer. Und wenn man nach dem Stöbern in diesen Räumen durchs Fenster in den Garten schaut, sieht man auch die Natur draußen anders. Das Auge ist geschärft auf Muster und Bewegungen, Farben, Verfall, Verformung.

Ansuela ist ein geheimnisvoller Name. Kommt aus dem Spanischen, ist aber nicht übersetzbar. Das Wort „anzuelo“ gibt es und das bedeutet: Angelhaken. - Ich glaube nicht, dass Ansuela Braunschmid-Becker oft an Flüssen sitzt und Fische herauszieht … sie fischt und sammelt eher Treibholz, Schwemmgut und pflückt Huflattichblätter oder die Blätter der Bäume im Garten und sammelt die Steine von den Wegrändern, die Muscheln aus dem Sand, in Thailand, Ägypten oder Salzburg. Um sie aufzubewahren, zu trocknen, altern zu lassen und langsam, wenn die Zeit gekommen ist, zu bearbeiten, ein Blatt in einen filigranen Göttinnenkörper oder in ein scheinbar schwereloses medusen-leichtes Boot einzufügen, aus Flachs Nester zu drehen, aus Wolle gefilzten Schmuck. Natur ist ihr unendlich wichtig, in all ihren Facetten, zu allen Jahreszeiten, das Wachsen, das Vergehen. Das Meditative, das sie in der Natur findet, lässt sie in ihre Arbeiten einfließen. Der Herzschlag der Natur gibt ihr den Rhythmus vor, die Gesetze des Regens und des Windes.

 

Ansuela Braunschmid-Becker liebt das Malen und Werken seit der Kindheit, wie sie sagt. Am Mozarteum hat sie textiles Gestalten studiert, auch Spanisch an der Uni. Sie hat bei Eduard Schmegner und Karl-Heinz Fichthorst Aquarellkurse besucht, hat an mehreren Salzburger Gymnasien unterrichtet. Und hat sich immer und intensiv mit den unterschiedlichsten textilen Materialien beschäftigt: Flachs, Filz, Sisal, Seide. Ihre Hüte und Kappen sind Legende, auch die Töchter, Olivia und Verena, haben diese Kappen getragen und tragen sie. Familie ist wichtig, sehr wichtig, lange gemeinsame Reisen sind wichtig. Gute Musik, Vögel beobachten, Tanzen, Singen, Qi Gong Ball spielen, Einrad fahren, Diabolo spielen, Morgenstern-Gedichte-Lesen, auf der Terrasse sitzen. Natur beobachten, immer wieder und immer noch genauer.

 

Vor einigen Jahren wurde bei Ansuela Braunschmid-Becker „Parkinson“ diagnostiziert. Das macht den Alltag schwerer, vielleicht auch das Einsammeln, Aufsammeln, das Herbeifischen der Fundstücke, das Reisen. Die Fantasie und die künstlerischen Ideen sind dadurch nicht zu bremsen. Und schon gar nicht die Kunst. Willkommen endlich in der Öffentlichkeit, Ansuela Braunschmid-Becker! 
                                                                                

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